Klärung der Schuldfrage – zwei ganz unterschiedliche Krimis

In den letzten Monaten ist es mir kurioserweise gleich mehrmals passiert, dass ich per Zufall zwei Bücher zu dem selben Thema gelesen habe. Die beiden heute vorgestellten Büchern haben als zentrales Thema die Frage nach der Schuld bzw. Unschuld der Protagonisten.


Sabine Durrant – Ich bin unschuldig

Durrant_UnschuldigGaby Mortimer lebt mit Mann und kleiner Tochter in einem guten Londoner Wohnviertel, moderiert ein beliebtes Morgenmagazin im Fernsehen und erfreut sich dadurch einer gewissen Prominenz. Auf den ersten Blick führt Gaby also ein zufriedenes und erfolgreiches Leben. Alles ändert sich, als sie eines Morgens beim Joggen die Leiche einer jungen Frau findet. In den Augen der Polizei wird sie aufgrund von Indizien schnell von der Zeugin zur Verdächtigen und schließlich auch wegen Mordes verhaftet.

Die Grundidee der Geschichte und auch die Auflösung fand ich durchaus spannend. Leider hat mich das Buch insgesamt aber nicht überzeugen können. Die Protagonistin ist in ihren Gedanken und Geschichten zu sprunghaft. Sie gibt zu viele Infos über Job, Familie, Beziehung, Träume, Befindlichkeiten und macht sich selbst dadurch weder sympathisch noch unsympathisch, sondern einfach belanglos. Der Schreibstil der Autorin unterstreicht das noch. Viele Nebensätze und Einschübe sowie für die Geschichte irrelevante Alltagsbeobachtungen der Protagonistin stoppen immer wieder den Lesefluss.

Fazit: Interessanter Plot, unspannender Schreibstil – eingeschränkt empfehlenswert.

Sabine Durrant – Ich bin unschuldig
Thriller
Pendo Verlag, 2013
Paperback, 350 Seiten


Judith Arendt – Unschuldslamm, der erste Fall für Schöffin Ruth Holländer

Ahrendt_UnschuldslammRuth Holländer, Ende 40, geschieden, zwei Kinder, betreibt ein kleines französisches Bistro in Berlin Moabit. Ihr Leben ist durch Job und Familie gut ausgelastet, daher ist sie wenig begeistert, als sie zur Schöffin berufen wird. In ihrem ersten Fall geht es um den Mord an einer jungen Deutsch-Kurdin, die ausgerechnet auf die selbe Schule ging, wie ihre Tochter. Die 16-jährige Derya wurde mit zahlreichen Messerstichen getötet. Handelte es sich um einen „Ehrenmord“? Angeklagt ist Zinar, der ältere Bruder Deryas, der beharrlich schweigt. In Ruths Augen wirkt Zinar unschuldig und schnell wird das zunächst ungeliebte Ehrenamt für Ruth zu einer sehr interessanten Aufgabe.

„Unschuldslamm“ hat mich gleich aus mehren Gründen absolut überzeugt. Das Thema Ehrenmord ist aktuell und bisher selten als Aufhänger für einen Krimi gewählt. Eine Schöffin als Protagonistin ist ebenfalls ein spannender Ansatz, da aus einem anderen Blickwinkel auf den Fall geschaut wird, als in den allermeisten Krimis. Die Verbindung zwischen dem Kriminalfall und dem Privatleben der Schöffin Ruth Holländer gelingt der Autorin ebenfalls sehr gut. Einzig irritierend ist die Covergestaltung. Diese lässt eher einen skandinavischen Provinzthriller vermuten und nicht einen Metropolenkrimi.

Fazit: Außergewöhnliche Grundidee, sehr spannender Plot, gut gezeichnete Charaktere – uneingeschränkt empfehlenswert.

Judith Arendt – Unschuldslamm
Kriminalroman
Ullstein Verlag, 2014
Taschenbuch, 316 Seiten

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Ein Gedanke zu “Klärung der Schuldfrage – zwei ganz unterschiedliche Krimis

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