Die Zukunft ist hybrid – Mein Bericht von der Frankfurter Buchmesse 2014 (Teil 1)

Fünf Tage im Oktober werden jedes Jahr von jeder und jedem, der sich für Bücher und Lesen im weitesten Sinne interessiert, heiß erwartet – die Tage der Frankfurter Buchmesse. Ich war dieses Jahr auch wieder an zwei Tagen dabei und habe mir jeden Tag einen thematischen Schwerpunkt gesetzt. Am ersten Tag ging es für mich um die Zukunft des Lesens und des Publishing.

Die Messe in Frankfurt ist nicht in erster Linie eine Bücherschau in der man gemütlich nach Neuerscheinungen stöbern kann. Frankfurt ist eine internationale Fachmesse, bei der es in erster Linie ums Business geht. In diesem Jahr waren 7275 Aussteller angemeldet, die zu 61% international und nur zu 39% aus Deutschland waren. Eine große Bedeutung hat in Frankfurt auch der Handel mit internationalen Rechten und Lizenzen.fbm_14_2

Im letzten Jahr waren insgesamt über 275 000 Besucher auf der Messe, der Fachbesucheranteil lag bei 62%. Die Motivation zum Besuch der Messe ist dabei ganz unterschiedlich. Ich hatte mich, wie schon erwähnt an meinem ersten Besuchstag auf das Thema „Digitales“ konzentriert und damit auf ein Thema, das immer wichtiger wird. Fast die Hälfte der Aussteller hat digitale Produkte im Angebot, 8,5% der Aussteller bieten ausschließlich digitale Produkte an und der Anteil steigt von Jahr zu Jahr*.

Innovative Aussteller, die digitale Produkte und Lösungen anbieten, sind um die fünf, auf dem Messegelände verteilten Hot Spots angesiedelt. „Digital Innovation“, „Education“, „Mobile“, „Professional & Scientific Information“ sowie „Publishing Services“ sind die Themen der Hot Spots. Ich habe einen Rundgang zu den Hot Spots mitgemacht, bei dem sich unterschiedlichste Firmen und Startups aus der ganzen Welt vorgestellt haben.

Unter den besuchten Ausstellern waren ein großer Dienstleister aus China, der u. a. Online-Datenbanken für Zeitungen erstellt, ein Cloudreadingservice aus Polen, eine Online-Musikschule, eine Plattform, auf der sich Selfpublisher über die bestmögliche Vermarktung ihrer eBooks informieren können, eine Firma aus Frankreich, die ein auf InDesign basiertes Plugin entwickelt hat, mit dem man Zeitungen und Bücher konvertieren kann und einige mehr.buchmesse_hotspotrundgang

Auch wenn der Rundgang nur einen ganz kleinen Teil des digitalen Marktes berücksichtigen konnte, wurde schon sehr deutlich, dass sich hier ein riesiges, hochspannendes Potenzial mit vielen Ideen, Kreativität und Innovationen bietet.

Am Nachmittag habe ich dann die Halle 3.1 genauer angeschaut. Hier fanden sich die Selfpublisher und auch ein umfangreiches Informationsprogramm zum Thema Selfpublishing. Es war sofort erkennbar: das – meistens digitale – Selfpublishing ist keine kleine Nische mehr. Die Autoren professionalisieren sich, sei es bezüglich der Gestaltung der Bücher, dem Coverdesigen, unterschiedlicher Formate, Vertrieb oder Marketing, zu allen relevanten Themen konnte man sich informieren.

Direkt neben der Selfpublishing-Area hatte sich das Forum Zukunft des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels mit dem „Forum Zukunft Arena Digital 2014“ platziert. In einer Ausstellung wurden die besten Beiträge zu einem Ideenwettbewerb zur Frage nach der künftigen Greifbarmachung digitaler Inhalte gezeigt und auf der Veranstaltungsfläche #arenaforbooks gab es eine Reihe von spannenden Diskussionen und Vorträgen. Motto diesen Jahres war “Sichtbarkeit des Digitalen”.

Ich habe mir hier zwei Diskussionen angehört und folgendes „mitgenommen“:

  • Durch das massenhafte Schreiben im Netz, in Blogs, auf Facebook, Twitter und anderen Plattformen entsteht eine neue Textualität
  • Viele Leser bezeichnen sich als hybride Leser – sie greifen genre- und situationsabhängig entweder zum gedruckten oder digitalen Buch
  • Versuche im Digitalen von großen, traditionellen Publikumsverlagen (z. B. Hanser Box) werden eher kritisch und nicht unbedingt als Bereicherung des Marktes gesehen. Ein paar Kurzgeschichten habe ja jeder Autor in der Schublade liegen…
  • eBooks ermöglichen mehr Veröffentlichungen in Spartenliteratur, Fanfiction etc.
  • Digital Publishing ermöglicht neue Formate und neue Formen von Literatur
  • Das Feuilleton beschäftigt sich nicht mit digitalen Publikationen – das wurde angeprangert 😉

Am zweiten Tag habe ich mich mehr den Büchern und ihren Inhalten gewidmet und den diesjährigen Ehrengast Finnland besucht. Dazu mehr im nächsten Artikel.

*Die Zahlen stammen aus der Broschüre „Die Frankfurter Buchmesse – Welthauptstadt der Ideen“. Die ganze Kundenbroschüre als .pdf gibt es auf der Website der Buchmesse zum Download.

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