Rückblick: Lesejahr 2015

Lesetechnisch war das Jahr 2015 nicht so berauschend. So wohl von der Zahl der insgesamt gelesenen Bücher, als auch von der Anzahl der Bücher, die mich wirklich überzeugt haben waren die letzten zwölf Monate eher enttäuschend. Aber ein paar Highlights gab es auch:

Lesejahr_15

Seit einigen Jahren beteilige ich mich an der Goodreads Readingchallenge. Dadurch habe ich für mich einen guten Überblick über meine gelesenen Bücher und die zum Jahresanfang festgelegte Anzahl der zu lesenden Bücher ist die Challenge auch eine gute Motivation. 2014 habe ich meine 75 Bücher komplett geschaft und so habe ich auch für 2015 ganz optimistisch die selbe Anzahl eingesetzt. Leider habe ich die Herausforderung mit 44 gelesenen Büchern weit verfehlt.

Und wenn es nur das wäre… Viel gelesen habe ich nicht und leider konnten mich auch vergleichsweise viele Bücher nicht überzeugen. Einige haben mir überhaupt nicht gefallen und viele waren na ja. Das war natürlich auch nicht besonders motivierend. Genug des Rants – es gab auch tolle Bücher im Lesejahr 2015.

Meine drei Highlights waren:

Cover: RandomHouse Audio

Cover: RandomHouse Audio

Dörte Hansen – Altes Land (Hörbuch)

Das „Polackenkind“ ist die fünfjährige Vera auf dem Hof im Alten Land, wohin sie 1945 aus Ostpreußen mit ihrer Mutter geflohen ist. Ihr Leben lang fühlt sie sich fremd in dem großen, kalten Bauernhaus und kann trotzdem nicht davon lassen. Bis sechzig Jahre später plötzlich ihre Nichte Anne vor der Tür steht. Sie ist mit ihrem kleinen Sohn aus Hamburg-Ottensen geflüchtet, wo ehrgeizige Vollwert-Eltern ihre Kinder wie Preispokale durch die Straßen tragen – und wo Annes Mann eine Andere liebt. Vera und Anne sind einander fremd und haben doch viel mehr gemeinsam, als sie ahnen.
(Infotext des Verlages)

Dörte Hansen wählt eine bilderreiche Sprache, die die Geschichte wie einen Film vor dem inneren Auge ablaufen lässt. In ihren Beschreibungen so wohl von Orten, als auch von Personen beweist sie eine besondere Beobachtungsgabe, die Hinter- und manchmal auch Abgünde offenbart. Sehr überzeugend spannt sie anhand dieser individuellen Flüchtlings- und Familiengeschichte einen zeitgeschichtlichen Bogen zwischen dem Ende des 2. Weltkrieges und der Gegenwart.

Meine Begeisterung für das Hörbuch hat natürlich mit der gut geschriebenen Geschichte zu tun, einen bedeutenden Anteil daran hat aber sicher die großartige Leserin. Die Schauspielerin Hannelore Hoger hat das Hörbuch eingesprochen und ist die perfekte Besetzung dafür. Ihre sonore, hanseatische Stimme teils mit einer Ruhe und  fast Desinteressiertheit, teils mit trockenem norddeutschem Humor entspricht genau meiner Vorstellung von den Charakteren und macht diese dadurch sehr lebendig. Interessante, gut erzählte Familien- und Zeitgeschichte, herausragend gelesen – wunderbar!!!

RandomHouse Audio, 2015
Gekürzte Lesung, 4 CDs, 313 Min, 19,90€

 

Coverfoto: UllsteinList

Coverfoto: UllsteinList

Kader Abdolah – Das Haus an der Moschee

Die Familie des Teppichhändlers Agha Djan blickt auf eine jahrhundertealte Tradition. Seit Generationen führt sie ein ruhiges Leben im Haus an er Moschee, direkt neben dem Basar. Doch dann erreichen auch die Familie die Unruhen und Aufstände im Land während der Regierungszeit des Schahs und schließlich der Rückkehr Chomeinis in den Iran. Der Autor, im Iran aufgewachsen und nach seiner Flucht seit vielen Jahren in den Niederlanden lebend, beschreibt den Wandel von dem zunächst harmonischen Leben in der Provinzstadt und den sich dann immer dramatischer und radikaler wandelnden Umständen und Menschen sehr eindrücklich.

Er erzählt die Geschichte zunächst sehr langsam und man muss sich einlassen in die erste, handlungsarme Zeit und den handlungsarmen Einstieg in das Buch. Dann entwickelt das Buch aber einen Sog, dem ich mich als Leser nicht entziehen konnte. Kader Abdolah erzählt ein spannendes und erschreckendes Kapitel Zeitgeschichte. Absolut lesenswert!

Das Buch ist schon vor einigen Jahren erschienden und für mich wieder mal ein Hinweis, dass sich ein Blick über die Neuerscheinungen hinaus in die Backlist der Verlage sehr lohnen kann.

List Verlag 2008
400 Seiten, 9,95€

 

Cover: Random House / Heyne Verlag

Cover: Random House / Heyne Verlag

Zoe Beck – Schwarzblende

London. Der Kameramann Niall Stuart wird unfreiwillig Zeuge, als zwei junge Männer einen Soldaten in zivil grundlos angreifen und töten. Niall nimmt die Szene mit seinem Handy auf. Einer der Täter kommt zu ihm, das blutige Messer noch in der Hand, und bekennt, dass er den Mord im Namen Allahs begangen hat. Sein Komplize schwenkt die Flagge des Islamischen Staats. Als Niall wenig später den Auftrag erhält, eine Dokumentation über den Fall zu drehen, ahnt er nicht, dass er mit grausamer Absicht für diese besondere Aufgabe ausgewählt wurde.
(Infotext des Verlages).

Dieser Titel steht stellvertretend für das gesamte Werk von Zoe Beck. Ich habe bereits mehrere ihrer Bücher gelesen und bin immer wieder begeistert. Zoe Beck ist mit ihren Themen immer ganz nah am aktuellen Zeit- / Weltgeschehen und hat einen ganz eigenen Weg, diese Aktualität in ihre Krimihandlungen einzubinden und mit persönlichen Geschichten zu verknüpfen. Ich glaube, ich würde einen Krimi von ihr sofort erkennen, auch wenn ihr Name nicht auf dem Cover stehen würde. Auch ihr Schreibstil überzeugt – schnell, fesselnd und zuweilen schockierend. Alle Daumen hoch!!

Heyne Verlag, 2015
416 Seiten, 9,99€

Meine weiteren Fünf-Sterne-Bücher des Jahres 2015:

  • Amy Silver – Was bleibt wenn du gehst
  • Karin Lankers – Verrückt nach New York #1 Willkommen in der Chaos-WG
  • Guillaume Musso – Vielleicht morgen
  • Michel Bussi – Die Frau mit dem roten Schal
  • Judith Arendt – Sündenbock
  • Sabine Kornbichler – Das böse Kind
  • Guillaume Musso – Weil ich dich liebe
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