Lesemonat Februar 2016

Neuer Job, Karneval, Weiterbildung… ach, das erwähnte ich schon im Beautymonat-Artikel… Der Februar war kurz und voller Termine. Dank einem Zusatztag in diesem Schaltjahr habe ich es auf der Zielgeraden aber doch noch ganz knapp auf drei Bücher gebracht:

Bevor es konkret zu den Büchern geht, muss ich in diesem Monat etwas allgemeines vorweg sagen. Lesemonat Februar oder: der Gewissenskonflikt – so könnte ich diesen Monat überschreiben. Gewissenskonflikt in Bezug auf die Frage: Wie gehe ich mit Büchern um, die mir subjektiv nicht gefallen, die aber – sofern es das gibt – objektiv (oder für andere Leser) gute Bücher sind. Das tangiert auch den Vorwurf, den einige professionelle Kritiker in letzter Zeit den Bloggern gemacht haben. Man schreibe ja nur positiv, man kritisiere ja nicht richtig handwerklich, man setze sich ja nicht wirklich mit dem literarischen Werk auseinander usw. usf. Dieses Fass möchte ich hier nicht aufmachen, denn für mich steht fest, ich bin Blogger, kein Kritiker.

Textnalyse habe ich zwar im Deutsch-LK bis zum Erbr… Abwinken gelernt und im Studium habe ich ein ganzes Seminar zum Thema Literaturkritik belegt, eigentlich sollte ich da was drauf haben, aber ich möchte etwas anderes. ich möchte Euch, meinen Bloglesern Bücher empfehlen, die mir gut gefallen haben, die ich gerne gelesen habe und das ist eben ganz subjektiv. Nun stehe ich aber vor dem Dilemma, dass ich in diesem Monat gleich zwei Bücher gelesen habe, von denen ich sagen kann: gut geschrieben, für andere durchaus zu empfehlen, aber leider nichts für mich. Was nun? Spontane Entscheidung: erst mal die Bewertung über Bord werfen. Zweite Überlegung: auf mein Buchhändlerhandwerk zurückgreifen und formulieren, dass mir die Bücher zwar nicht gefallen haben, sie aber für andere sicher gut sein könnten. Na dann mal los. Beim ersten Buch ist es auch noch einfach. Das fand ich nämlich sehr beeindruckend.

Gelesenes

edelweißpiratenDirk Reinhardt – Edelweißpiraten

Der 16-jährige Daniel besucht regelmäßig das Grab seines kürzlich verstorbenen Großvaters. Auf dem Friedhof fällt ihm ein alter Mann auf, der ihn beobachtet. Er spricht den alten Mann an und nach einigem hin und her beschließt er, diesen in seinem Altenheim zu besuchen. Der Kontakt zwischen Daniel und dem alten Mann – Josef Gerlach – vertieft sich und Gerlach gibt Daniel schließlich die Tagebücher aus seiner Jugend zu Lesen. Es ist die Geschichte eines Jungen, der vor und während des 2. Weltkrieges im Kölner Arbeiterstadtteil Ehrenfeld aufwächst.

Mit den Ideen der Nazis kann er nichts anfangen und die erzwungene Mitgliedschaft in der HJ belastet ihn sehr, da fallen ihm Jugendliche auf, die anders sind, sie sind unfrisiert, tragen bunte Kleidung und musizieren. Er sucht die Nähe zu diesen Jugendlichen und wird schließlich gemeinsam mit seinem besten Kumpel in die Reihen der Edelweißpiraten aufgenommen und fühlt sich in dieser Jugendbewegung direkt zuhause. Was aber als unbeschwerte, unpolitische, alternative Jugendkultur beginnt, wird als vermeintlich systemfeindlich immer mehr zur Zielscheibe der Nazis und die Existenz der Edelweißpiraten wird immer mehr zur Tragödie.

Die „Edelweißpiraten“ haben mich sehr beeindruckt. Ein Punkt war die regionale Nähe. Die jährlichen Treffen der Edelweißpiraten aus vielen Städten waren an dem See im Wald hinter unserem Haus, Ehrenfeld im nahen Köln ist ein Stadtteil, den ich gerne besuche. Jetzt, nachdem ich mehr über die Geschichte der Edelweißpiraten weiß, sehe ich diese Orte mit anderen Augen. Auch sehr gefallen hat mir die Erzählweise des Autors. Dirk Reinhardt erzählt diese immer furchtbarer werdende Geschichte undramatisch und „einfach“ und bringt sie dem Leser dadurch um so näher. Er vermittelt sehr verständlich, was man als Banalität des Bösen, des Terrors bezeichnen kann. Je schrecklicher die Erlebnisse der Jugendlichen im Laufe des Krieges werden, um so „normaler“ wird der Schrecken in ihrem Leben, er wird ein Teil von ihnen und lässt sie nie mehr los. Das kommt eben so nachvollziehbar wie erschreckend rüber. „Edelweißpiraten“ von Dirk Reinhardt ist ein sehr berührendes, emotionales und absolut lesenswertes Buch – nicht nur für Jugendliche.

Aufbau, 254 Seiten
Taschenbuch, 2013
Jugendbuch ab 13 Jahren

 

Rum_doodleWilliam E. Bowman – Die Besteigung des Rum Doodle
Eine Expedition macht sich auf, den Rum Doodle im Himalaya-Massiv zu besteigen. Sechs Briten, die für ein solches Vorhaben nicht weniger geeignet sein könnten: der Navigator hat keinen Orientierunsssinn, der Arzt leidet ständig an den unterschiedlichsten Krankeiten, um die Sprachkenntnisse des Dolmetschers ist es nicht gut gestellt, der Fotograf stellt seine Kamera immer am falschen Punkt auf und der für die Verpflegung zuständige hat die Mannschaft abenteuerlich ausgerüstet. Immerhin sind genügend Champagnerflaschen an Bord um die Expeditionsteilnehmer, die ständtig in irgendwelchen Felsspalten feststecken, bei Laune zu halten.

An der Beschreibung merkt man schon, hier haben wir es mit britischem Humor in Reinkultur zu tun. Ich habe spontan zu dem Buch gegriffen, weil ich mich erinnerte, bei Erscheinen der gebundenen Ausgabe eine begeisterte Rezension gelesen zu haben und die Beschreibung im Klappentext auch sehr lustig klang. Beim Lesen war ich dann nicht mehr so ganz überzeugt. Das liegt aber weniger am Buch, dem Schreibstil oder der Geschichte, die durchaus gelungen sind. Diese Art des britischen Humors ist einfach nicht so meine. Leseempfehlung an Liebhaber des britischen Humors á la Monty Python.

Goldmann, 188 Seiten
im britischen Original erschienen 1956
Taschenbuchausgabe Oktober 2014

 

elsa_ungeheuerAstrid Rosenfeld – Elsa ungeheuer

Die süddeutsche Provinz in den 1980er Jahren – eine lebenslustige Mutter hinterlässt die Tochter bei deren Vater und zieht in die Welt. Die Tochter, schräger Vogel, Biest und doch sensibel, bringt das Leben des Dorfes und besonders der Nachbarsjungen erheblich durcheinander. Die drei wachsen miteinander auf, werden erwachsen, zwei von ihnen ziehen in die Welt (in die Düsseldorfer Kunstszene) und in die weite Welt (auf eine Ranch in die USA), einer bleibt in der Provinz zurück. Trotz der individuell ganz  unterschiedlichen Entwicklungen und teilweise sehr skurrilen Erlebnisse sind die in der Kindheit gesponnenen Bande stark und halten über die Entfernungen und Jahre hinweg.

Astrid Rosenfeld und ich, wir werden keine Freunde. Schon mit „Adams Erbe“ hatte ich große Schwierigkeiten. Rosenfeld versteht ihr Handwerk, sie hat einen eigenen, trotz Anspruch unterhaltsamen Stil, sie hat Humor, ihre Charaktere sind scharf gezeichnet und ihre Geschichten voller Ideenreichtum. Trotzdem finde ich keinen Zugang zu ihren Büchern. Das kann ich nicht an bestimmten Punkten ihrer Bücher festmachen, es liegt wohl eher an meinen Lesevorlieben. Leseempfehlung an alle, die anspruchsvoll erzählte Provinzgeschichten und Entwicklungsromane mit schrägen, verkrachten, aber doch sympathischen Charakteren mögen.

Diogenes, 277 Seiten
Taschenbuch, 2014

Neu eingezogen

William E. Bowman – Die Besteigung des Rum Doodle (schon gelesen s. o.)
Guillaume Musso – Lass mich niemals gehen
Paula Hawkins – Girl on the Train
Mechthild Borrmann – Die andere Hälfte der Hoffnung
Dennis Lehane – In der Nacht
Jennifer Estep – Spinnenjagd (Elemental Assassin 3)

Und bei einem Rundgang durchs moderne Antiquariat wurde ich auch bei den TB-Mängelexemplaren fündig:
Dirk Reinhartd – Edelweißpiraten (schon gelesen s. o.)
Tom Hillenbrand – Drohnenland
Sabine Heinrich – Sehnsucht ist ein Notfall
Florian Illies – 1913 Der Sommer des Jahrhunderts

Bei diesem unausgewogenen „Gelesen“ – „Gekauft“ Verhältnis verordne ich mir für den nächsten Monat Buchkaufverbot!!! – Mit Ausnahme eines oder zwei Taschenbüchern für das jdtb16 natürlich.

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