Lesemonat März 2016

Der Lesemonat März war endlich mal wieder erfreulich. Drei Bücher und – angepeppt durch den Besuch der Verleihung des Deutschen Hörbuchpreises zwei Hörbücher – stehen auf der „Gelesen“ – Liste. Vom Genre her habe ich mich ganz auf Krimi und Thriller konzentriert.

Gelesenes

U1-Giovanni_Krokodil_LT_V1.inddMaurizio de Giovanni – Das Krokodil

Inspektor Lojacono wurde von Sizilien nach Neapel strafversetzt. Angeblich hatte er der Mafia interne Informationen über Poizieaktionen zugespielt. In Neapel wird er degradiert und darf bei ernsthafter Ermittlungsarbeit nicht dabei sein. Das ändert sich, als er im Zuge einer nächtlichen Bereitschaft zum Tatort des Mordes an einem Jugendlichen gerufen wird. Er macht eine entscheidende Beobachtung und als weitere Jugendliche erschossen aufgefunden werden, ernennt die Staatsanwältin ihn zum leitenden Ermittler. Entgegen seiner Kollegen glaubt er nicht an einen üblichen Mafiamord. Die offenbar detailliert geplanten und kaltblütig durchgeführten Morde müssen einen anderen Hintergrund haben.

„Das Krokodil“ ist der erste Band in einer Reihe von Krimis um den Inspektor Lojacono. Lojacono ist ein typischer, fast schon etwas klischeehaft gezeichneter, italienischer Polizist. Er hat schon einige Tief- oder Schicksalsschläge hinter sich, er ist überwiegend Einzelgänger, hängt in seinem Stammlokal rum, isst gerne und lebt für seinen Job. Obwohl dieser Typ von Komissar in vielen italienischen Krimis vorkommt, hat er trotzdem etwas eigenes und man folgt ihm als Leser gerne durch die Geschichte. Diese ist spannend und durchaus anspruchsvoll erzählt und eher ein Roman mit Toten, als ein klassischer Krimi. Zum Ende hin wird das Motiv für die Morde und auch der Täter etwas zu einfach erkennbar, hier hätte ich mir etwas mehr Spannung oder noch einen Überraschungsmoment gewünscht. Trotzdem: wer gut geschriebene Kriminalromane mit süditalienischem Flair sucht, sollte sich Maurizio de Giovannis Bücher einmal anschauen.

Kindler 2015, 335 Seiten
inzwischen auch als Taschenbuch erschienen

 

Die Falle von Melanie Raabe

Melanie Raabe – Die Falle

Vor vielen Jahren hat die Bestsellerautorin Linda Conrads ihre Schwester ermordet aufgefunden. Deren Mörder konnte sie gerade noch fliehen sehen. Schwer schockiert und von den schreckichen Bildern verfolgt zieht die Autorin sich in ein abgelegenes Haus zurück das sie so gut wie nie verlässt. Als sie Jahre später den Mörder ihrer Schwester in einem Fernsehjournalisten wiederzuerkennen glaubt, beschließt sie, ihm eine Falle zu stellen. Sie wirft einen Köder aus – sich selbst.

Sehr spannendes Hörbuch mit überraschenden Wendungen, überzeugend gelesen von Birgit Minichmayr und Devid Striesow.

Randomhouse Audio, Der Hörverlag , 2015
10 Stunden 25 Minuten

 

978-3-7857-5077-3-Giordano-Tante-Poldi-und-die-sizilianische..-6CD-75-orgMario Giordano – Tante Poldi und die sizilianischen Löwen

Ein junger Autor mit Schreibhemmung reist zu seiner Tante nach Sizilien in der Hoffnung auf neue Inspiration. Dort angekommen, erzählt ihm Tante Poldi, eine sechzigjährige Münchnerin, die gerade auf die italienische Insel gezogen ist, die Geschichte um den verschwundenen Gärtnergehilfen Valentino und diese Geschichte erzählt wiederum der junge Autor den Lesern / Hörern. Das klingt ziemlich konstruiert, im Hörbuch funktioniert es aber ganz gut. Poldi greift natürlich auf eigene Faust in die Nachforschungen ein und natürlich nervt sie damit die örtliche Polizei (die kurz danach deutlich weniger genervt, dafür um so angetaner von Poldi ist) und schon haben wir den altbekannten Lokalkrimiplot, dieses Mal vor süditalienischer Kulisse.

„Tante Poldi…“ hat in diesem Jahr den Deutschen Hörbuchpreis in der Rubrik Unterhaltung bekommen. Ich war beim Bookup im Rahmen der festlichen Verleihung und daher neugierig auf die Preisträger. Ehrlich gesagt war die Geschichte nicht ganz so mein Geschmack, sie war mir etwas zu wenig pointiert und auch die Nebencharaktere etwas zu blass. Unterhaltsam war das Hörbuch aber auf jeden Fall und ganz klasse gelesen vom Schauspieler Philipp Moog. Fans von unterhaltsamen Kriminalromanen mit Lokalkolorit werden an dem Hörbuch sicher Spaß haben.

Luebbe Audio 2015
415 Minuten

 

Hillenbrand_DrohnenlandTom Hillenbrand – Drohnenland

Europa in nicht allzu ferner Zukunft – Auf einem Acker in der Nähe von Brüssel wird ein erschossener EU-Politiker gefunden. Drohnen der Polizei scannen und fotografieren den Tatort und sammeln Daten jeglicher Art. Nachdem Kommissar Aart van der Westerhuizen einige Recherchen und einen Abgleich mit dem Europolcomputer vorgenommen hat, ist ein Verdächtiger scheinbar schnell gefunden. Aber dann stößt Westerhuizen auf Ungereimtheiten zwischen erhobenen Daten und der Situation am Fundort des Toten und eine spannende Jagd auf das wirkliche Verbrechen beginnt.

Tom Hillenbrand geht von gesellschaftlichen, politischen, ökologischen Entwicklkungen unserer Gegenwart aus und entwickelt sie weiter. Er spinnt ein Szenario für unsere Zukunft, das sehr plausibel und glaubwürdig ist. Obwohl sein Plot in einer höchst technisierten Zukunft angesiedelt ist, liest sich der Krimi nicht wie ein Science Fiction Roman oder wie eine der vielen Dystopien, sondern wie eine sehr reale Geschichte, nur eben einfnach ein paar Jahre in die Zukunft verlegt. Die Geschichte ist gut konstruiert, mit überraschenden Wendungen und einer ereignisreichen Handlung und die Protagonisten sind sehr überzeugend. Absolut empfehlenswert.

Kiwi, 2014
423 Seiten

 

Girl on the TrainDu kennst sie nicht aber sie kennt dich von Paula HawkinsPaula Hawkins – Girl on the Train
Rachel sitzt jeden Morgen in dem Pendlerzug von einer Londoner Vorstadt in die City, jeden Morgen stoppt der Zug an einem Haltesignal und Rachel beobachtet die Rückseite einer Reihenhauszeile. In einem der Häuser hat sie selbst einmal gelebt. Jetzt wohnt dort ihr Exmann mit neuer Frau und Baby. Rachel beobachtet nicht nur sie. Sie beobachtet auch ein Paar das einige Häuser weiter lebt. Als sie die Frau des Paares einige Tage nicht mehr sieht, stellt sie Nachforschungen an und taucht immer weiter in das Trauma ihrer Vergangenheit ein.

Paula Hawkins hat unter dem Pseudonym Amy Silver schon einige Bücher veröffentlicht die mir alle gut gefallen haben und auch „Girl on the Train“ habe ich gerne gelesen. Drei Erzählperspektiven wechseln zwischen Rachel, der neuen Frau ihres Exmannes, Anna, und der verschwundenen Nachbarin und dadurch greifen verschiedene Sichtweisen auf die Ereignisse sowie Gegenwart und Vergangenheit ineinander. Der Einstieg in die Geschichte, die Beobachtungen vom Zug aus erschienen mir zuerst etwas konstruiert, die Idee ging dann aber doch sehr gut auf. Paula Hawkins schildert in ihren Geschichten besonders eindrücklich die Abgründe und Tragödien die einem Menschen im Leben wiederfahren können und schafft den Spagat zwischen schlimmen und guten Momenten ohne zu sehr auf die Tränendrüse zu drücken und ohne trivial zu werden. „Girl on the Train“ kann ich empfehlen, die Bücher außerhalb des Thrillergenres unter dem Pseudonym Amy Silver haben mir aber noch besser gefallen.

Blanvalet, 2015
448 Seiten

Neu eingezogen

Pia Ziefle – Länger als sonst ist nicht für immer

Bettina Storks – Das Haus am Himmelsrand

Ein paar Infos zu den Kaufgründen habe ich in meinem Artikel zum Jahr des Taschenbuchs aufgeführt.

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