Lesemonat August

Lesetechnisch ist 2016 das absolute Flautenjahr. Daher kommen auch kaum Rezensionen und Lesemonate hier auf dem Blog. Der August aber war ein fast normaler Lesemonat mit drei Hörbüchern und drei gelesenen Büchern und daher ist hier ein kurzer, verspäteter Rückblick:

Guillaume Musso – Nacht im Central Park

musso_centralparkAlice, eine Polizistin aus Paris, wacht auf einer Bank im Central Park in New York auf, ein Mann ist mit Handschellen an sie gekettet, sie trägt eine fremde Waffe und auf ihrer Kleidung ist Blut. Was ist passiert? Wer ist der Fremde? Und wie ist sie nach New York gekommen? Diese und viele andere Fragen stellen sich Alice als sie gemeinsam mit dem an sie Geketteten die abenteuerliche Suche nach den Lücken in ihrer Erinnerung macht.

Guillaume Musso ist einer meiner liebsten Unerhaltungsautoren. Seine Ideen und seine einzigartige Mischung aus Spannung, Romantik und meistens auch ein einigen „überrealen“ Elementen gefallen mir immer wieder gut. Auch das von Torben Kessler gelesene Hörbuch „Nacht im Central Park“ hat mich auf lange Strecken hin begeistert und gefesselt. Nur die Auflösung hat mich bei diesem Buch entteuscht, aber das ist ja sehr subjektiv. Ein Musso-Fan bleibe ich auf jeden Fall!

Osterworld Audio 2016
405 Min. Laufzeit

 

Anthony Horowitz – Der Fall Moriarty

moriarty_coverSherlock Holmes und sein Widersacher Professor Moriarty sind bei einem erbitterten Kampf an den Rechenbachfällen in der Schweiz abgestürzt und werden für tot gehalten. Aus der Literaturgeschichte wissen wir, dass Holmes seinen Tod nur inszeniert hat und später wieder auftaucht. Doch was ist mit Moriarty passiert? Etwas Licht ins Dunkel bringt Anthony Horowitz mit seinem Roman „Der Fall Moriarty“.

Nach dem (vermeintlichen) Tod von Holmes und Moriarty taucht der amerikanische Gangster Clarence Devereux in London auf um seine „Geschäfte“ nach England auszudehnen. Ihm auf den Fersen ist Frederick Chase, ein Detektiv der berühmten amerikanischen Detektei Pinkerton. Durch eine Nachricht an der gefundenen Leiche Moriartys und durch Inspektor Jones von Scottland Yard erhofft dieser sich Hilfe. Eine schnelle Lösung ist jedoch nicht in Sicht, dafür immer mehr übel zugerichtete Leichen…

Die klassischen Holmes-Geschichten aufzugreifen und weiter zu spinnen ist eine tolle Idee von Anthony Horowitz und auch sehr gut umgesetzt. In „Der Fall Moriarty“ tauchen Sherlock Holmes und sein Dr. Watson überhaupt nicht auf und trotzdem funktioniert das Konzept. „Der Fall Moriarty“ ist ein spannender, klassisch konstruierter Kriminalroman, der für meinen Geschmack aber nicht ganz an den Vorgängerband „Das Gehimnis des weißen Bandes“ heranreicht.

GoyaLit 2014
280 Min Laufzeit

 

Otto de Kat – Eine Tochter in Berlin

Der niederländische Diplomat Oscar Verschuur ist für die Niederlande im schweizerischen Bern. Seine Frau lebt als Krankenschwester in London und seine Tochter, verheiratet mit einem Deutschen, in Berlin. Bei einem Besuch in Bern im Frühjahr 1941 vertraut die Tochter dem Vater ein brisantes Geheimnis an: Deutschland plane unter dem Decknamen „Unterhemen Barbarossa“ einen Überraschungsangriff auf Russland und der Termin stehe mit dem 22. Juni fest. Sie hofft, dass ihr Vater durch seine Position als Diplomat Russland warnen und das Schlimmste verhindern könne. Schnell wird aber klar, dass durch diese Information die ganze Familie in große Gefahr gerät.

Für niederländische Autoren kann ich mich immer wieder begeistern, so auch für Otto de Kat. Ein historisches Ereignis als Aufhänger nehmen und daraus eine persönliche Geschichte machen – das ist nicht neu. de Kat macht das aber auf eine besonders spannende und überzeugende Weise. Die Zerrissenheit zwischen dem Einflussnehmen auf die Geschichte und dem Schutz der Familie ist absolut glaubwürdig geschildert. Auch die drei Leben, das des Diplomaten in Kriegszeiten, das einer Krankenschwester, die sich um Opfer des Krieges kümmert und das der jungen Frau im Berlin der 1940er Jahre, sind spannend erzählt.

btb 2015
208 Seiten

 

Saphia Azzedine – Mein Vater ist Putzfrau

putzfrauPolo lebt in den Pariser Banlieue. Seine Familie ist so etwas wie die französische Version des „White Trash“. Der Vater geht putzen und die Mutter hängt, nach einem Unfall im Rollstuhl, nur vor dem Fernseher rum und Polo hat scheinbar nichts. Schon wegen seiner prekären Familienverhältnisse fühlt er sich ausgegrenzt und dann ist er nicht mal Araber oder Jude. Während seine Schulfreunde in den Ferien zu ihren Verwandten in ihre Heimatländer reisen, bleibt er alleine zurück. Ein Begleiter und eine geheime Freude sind ihm die Bücher in der Bibliothek, die er heimlich liest während sein Vater nachts die Bibliotheksräume putzt. Er entdeckt die Kraft der Wörter und sucht sich immer wieder neue, ihm unbekannte, heraus.

„Mein Vater ist Putzfrau“ ist ein gut geschriebener kurzer Roman, der Einblicke in das Leben am Rande der französischen Gesellschaft bietet und uns mit Polo und seinem Vater zwei äußerst sympathische Protagonisten vorstellt. Die beiden und auch einige Randfiguren, wie Prisci, Polos Freundin aus der Mittelschicht, haben jedoch mehr Potenzial, als die Autorin ihnen aufgrund der Kürze des Romans lassen kann. Der Stoff würde sicher auch für eine größere Geschichte reichen. Für die gewählte kurze Form könnte die Erzählweise an einigen Stellen etwas pointierter sein.

Wagenbach 2015
128 Seiten

 

Lucy Clarke – Der Sommer, in dem es zu schneien begann

clarke_coverDas Glück von Eva nimmt ein abruptes Ende. Nur wenige Monate nach ihrer Hochzeit stürzt ihr Mann beim Angeln ins Meer und ertrinkt. Verzweifelt und in Trauer macht Eva sich von England aus auf die Reise in in die Heimat ihres Mannes, nach Tasmanien. Dort trifft sie Vater und Bruder ihres Mannes und lernt nach dessen Tod eine ganz andere Seite von ihm kennen.

Das erste Buch von Lucy Clarke, „Die Landkarte der Liebe“, hat mir sehr gut gefallen, dieses hier hat mich aber total enttäuscht. Die Geschichte ist flach und durchsichtig und die Charaktere fand ich alle unsympathisch.

Audio Media 2015
400 Min. Laufzeit

 

Willa Cather – Meine Antonia

Antonia kommt im 19. Jahrhundert mit ihrer Familie aus Böhmen nach Amerika. Sie lassen sich in der kargen Steppe Nebraskas nieder. Jim, Enkel einer benachbarten Farmerfamilie, ist beeindruckt von Antonia, freundet sich mit ihr an und wird uns ihre harte und entbehrungsreiche Geschichte erzählen. „Meine Antonia“ hat mich beeindruckt, wie kaum ein anderes Buch in diesem Jahr, mehr dazu in Kürze ausführlicher 😉

 

btb 2009
320 Seiten

 

 

 

 

 

Das Copyright für die abgebildeten Cover liegt bei den Verlagen.

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