Gelesen – November / Dezember 2017

Es hat dieses Mal etwas länger gedauert, aber hier ist er nun, mein Leserückblick auf November und Dezember: ein herausragender historischer Familienroman, ein spannender Gegenwartsroman, ein spannendes Hörbuch und leider auch ein Flop.

Volker Kutscher – Lunapark

Die Krimis von Volker Kutscher sind im Moment durch die Verfilmung des ersten Teils „Der nasse Fisch“ unter dem Titel Babylon Berlin noch mehr im Gespräch, als sowieso schon. Das hat mich neugierig gemacht und ich habe einfach zu einem Hörbuch gegriffen und zufällig den 6. Teil „Lunapark“ erwischt. „Lunapark“ spielt 1934 und beginnt mit dem Fund der Leiche eines SA-Manns. An der Mauer über der Leiche hatte jemand begonnen, eine kommunistische Parole zu schreiben. Ist der gewaltsame Tod des Mannes politisch motiviert oder steckt etwas anderes dahinter? Kaum nimmt der von Köln nach Berlin strafversetzte Kriminalkommissar Gereon Rath die Ermittlungen auf, schaltet sich auch die Geheime Staatspolizei ein…

Volker Kutscher – Lunapark (Hörbuch-Coverfoto: Argon Verlag)

Volker Kutscher hat eine ganze Welt um den Kriminalkommissar Gereon Rath geschaffen und macht das Berlin der 1920er und 1930er Jahre lebendig. Mir hat das Hörbuch besonders deshalb sehr viel Spaß gemacht. Als Hörer taucht man direkt in die Geschichte ein und kann sich das Berlin dieser Zeit gut vorstellen. Die Protagonisten Gereon Rath und seine Frau Charly sind sehr sympatisch und ich möchte definitiv mehr von ihnen wissen.  Natürlich ist auch die Handlung spannend, besonders interessant fand ich aber auch historische Details, die mir bisher nicht bekannt waren. Gelesen werden die Rath-Krimis von David Nathan, der u. a. Jonny Depp synchronisiert. Eine rundum gelungene, gut geschriebene und gut gelesene Geschichte!

Volker Kutscher – Lunapark
Argon Hörbuch, 2016
9 Stunden, 20 Minuten


Matthew Weiner – Alles über Heather

Mark und Karen sind ein gut situiertes Ehepaar, sie leben in einem großzügigen Appartement auf der noblen Upper East Side in Manhattan. Ihr Lebensmittelpunkt ist ihre Tochter Heather. Aber nicht nur für die Eltern, auch für den Handwerker Bobby wird die junge Heather fast schon zur Obsession. Aufgewachsen bei einer drogensüchtigen Mutter in New Jersey, sitzt er schon in jungen Jahren im Knast und kommt danach als Tagelöhner auf die Baustelle an dem Haus, in dem Heather und ihre Eltern leben. Als Heathers Vater bemerkt, dass Bobby Interesse an seiner Tochter hat, setzt er alles daran, dies zu verhindern.

Matthew Weiner – Alles über Heather

Das ist ein Stoff, aus dem man durchaus eine komplexere Handlung entwickeln könnte. Leider ist das aber schon die ganze Geschichte. Das skandalfreie, langweilige Ehepaar Mark und Karen Breakstone bleibt genau so farblos wie die verkrachte Existenz Bobby. Die Geschichte enthält keine Brüche, keine Überraschungen, kein Tempo. Allein Heather scheint ein Charakter mit Tiefe und Potenzial zu sein, daraus wird aber leider nichts gemacht. „Alles über Heather“ hat nichts neues. Die Geschichte wurde schon oft – und besser – erzählt.

Matthew Weiner – Alles über Heather
Rowohlt, 2017
Gebunden, 144 Seiten


Nell Leyshon – Die Farbe von Milch

Mary wächst in den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts als jüngste von vier Schwestern in ärmlichen Verhältnissen auf. Das Leben auf dem Bauernhof ihrer Eltern ist hart und entbehrungsreich. Die Schwestern müssen den Eltern bei ihrer harten Arbeit unterstützen und an umfassende Schulbildung ist nicht zu denken, doch die freigeistige Mary möchte mehr, sie hat Träume. Einblick in eine andere Welt erhält Mary, als sie vom Vater ins Haus des Dorfpfarrers gebracht wird. Hier soll sie sich um die kranke Frau des Pfarrers kümmern. Obwohl sie dies zunächst unfreiwillig tut und Heimweh nach ihrer Familie hat, erfährt sie hier, dass der Umgang zwischen Menschen auch wohlwollend und von Interesse geprägt sein kann. Außerdem erhält sie im Pfarrhaus eine grundlegende Bildung. Mary bleibt nach dem Tod der Frau im Pfarrhaus und muss schließlich erfahren, gute Zeiten sind endlich…

Nell Leyshon – Die Farbe von Milch

Diese vermeintlich einfache, alltägliche Geschichte beschreibt ein konsequent gelebtes Leben einer starken, selbstbewußten Protagonistin. Die einfache, fast schon naive Sprache hat mich am Anfang etwas irritiert, ich fand sie dann aber sehr passend und gut eingesetzt. Die Einfachheit der Sprache macht den Inhalt der Geschichte noch stärker.

„Die Farbe von Milch“ ist ein besonderes, herausragendes, großartiges Buch, definitiv mein Lesehighlight des Jahres 2017!

Nell Leyshon – Die Farbe von Milch
Eisele, 2017
Gebunden, 208 Seiten


 

Cynthia D’Aprix Sweeney – Das Nest

Die Geschwister Melody, Jack, Bea und Leo, inzwischen in den 40ern, haben sich seit ihrer Kindheit ganz unterschiedlich entwickelt und leben ihre jeweils eigenen Lebenskonzepte. Alle vier, und das ist inzwischen auch ihre einzige Verbindung, haben „Das Nest“, ihr Erbe, als wichtiges Element in ihre Pläne eingebaut und rechnen damit, dass ihnen das Geld bald zur Verfügung steht. Doch dann, mitten in der Wirtschaftskrise, die alle sowieso in finanzielle Schwierigkeiten bringt, entscheidet ihre Mutter, das gesamte Vermögen dafür zu verwenden um dem ältesten Sohn Leo aus der Patsche zu helfen.

das_nest

Cynthia D’Aprix Sweeney – Das Nest

„Das Nest“ ist ein vielschichtiger und spannender Gegenwarts-, Familienroman. Die vier sehr unterschiedlichen Geschwister und ihre ebenso untrschiedlichen Lebensentwürfe und -wege werden sehr nachvollziehbar geschildert und gut miteinander verbunden. Der Autorin gelingt es sehr gut, den Leser in das Mittelschichtmilieu des heutigen New York mitzunehmen. Der Roman ist flüssig und stellenweise fast kurzweilig geschreiben, lädt aber auch immer wieder dazu ein, darüber nachzudenken, was wirklich zählt im Leben.

Cynthia D’Aprix Sweeney – Das Nest
Klett-Cotta, 2016
Gebunden, 410 Seiten

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