Blogger treffen Verlage – Die Litblogcon 18

Am vergangenen Samstag fand in Köln die dritte Litblog Convention statt. Bereits im letzten Jahr war ich dabei und total begeistert, also habe ich mich auch in diesem Jahr angemeldet.

Das Treffen zwischen Verlagen und Buchbloggern fand, wie in den Vorjahren, im Hauptitz von Bastei Lübbe in Köln-Mülheim statt. Neben Bastei Lübbe und seinen Imprints, u. a. Lübbe Audio, gehörten Diogenes, DuMont, DuMont Kalender, Kiepenheuer & Witsch und LYX zu den Veranstaltern. Das Wort „Convention“ im Titel deutet schon darauf hin, hier handelt es sich nicht um das bei Bloggern beliebte und übliche Format des Barcamps, sondern umd eine Veranstaltung mit vorgegebenem Programm.

Das schon im Vorfeld bekannte Programm las sich sehr spannend und die Auswahl zwischen den 27 Sessions fiel schwer. Zwischen 11.00 Uhr und 16.40 Uhr wurden jeweils sechs bis sieben Sessions gleichzeitig angeboten, sodass man maximal fünf über den Tag verteilt besuchen konnte. Ich habe mich dreimal für spannende Persönlichkeiten entschieden und zweimal für das interessante Thema:

  • Über das Schreiben und Verlegen – Autorin Mariana Leky und Verlegerin Sabine Cramer (DuMont) im Gespräch
  • Über Bücher und Buchhandlungen – Autorin und Buchhändlerin Petra Hartlieb im Gespräch
  • Über Lesen, Leidenschaften und Bloggen – Buchhändler und Instagrammer Florian Valerius (Literarischernerd) erzählt von Büchern, Murakami und Instagram
  • Von der Aufnahme zum Hörbuch – Sprecherin Sabina Godec und Projektmanagerin Anika Rust erzählen im Tonstudio von ihrer Arbeit
  • Bücherpodcast für Anfänger – Alexandra Adamek (Lübbe Audio) und Lektorin Lisa Engels (Baumhaus, Boje, One) geben Tipps für die umsetzung und Gestaltung eines Bücherpodcasts.

Am Samstag ging es also in der Früh nach Köln, wo sich um 10.00 Uhr die Türen des Verlagshauses von Bastei Lübbe öffneten. Bei der Begrüßung wurde allen Teilnehmern zuerst eine prall gefüllte Goodiebag mit Büchern, Hörbuch und Produktproben der Sponsoren in die Hand gedrückt und danach folgte direkt der suchende Blick in die Runde: Wer ist noch da? Wen kenne ich schon? Sind Netzbekannte da, die ich im echten Leben ansprechen kann? Bei einem Kaffee gab es dann schon die ersten Kontakte und Gespräche. Kurz darauf begann der offizielle Teil des Tages mit der Begrüßung durch das Veranstalterteam und dann ging es los in die verschiedenen Sessions.

Nur noch einmal um die Ecke…

Ankunft im Foyer

Über das Schreiben und Verlegen – Autorin Mariana Leky und Verlegerin Sabine Cramer (DuMont) im Gespräch

Nachdem „Was man von hier aus sehen kann“ eines meiner Lieblingsbücher der letzten Monate war, war die Session mit der Autorin Mariana Leki natürlich gesetzt. Gemeinsam mit ihrer Verlegerin Sabine Cramer berichtete sie über ihre Arbeit und die Zusammenarbeit mit dem Verlag. Von der Idee zum Buch dauert es bei Leky, sie lässt sich Zeit beim Schreiben. Bereits vor fünf Jahren hatte sie ihrer Verlegerin von der Idee zu einem Buch über Liebe und Tod erzählt. Als diese dann die ersten 100 Seiten gelesen hatte, war sie begeistert und es kam sofort eine SMS mit dem Go für das Buch. Bei dem Entstehensprozess bindet Mariana Leky ihr Umfeld mit ein. Häppchenweise gibt sie ihre Entwürfe und Textpassagen an ihre Verlegerin, Bekannte und Freunde um deren Feedback einzuholen und sich nicht in Ihren Ideen zu „verirren“.

Gesprächsrunde mit Mariana Leky

Nicht nur die Autorin lässt die Verlegerin an der Entstehung des Textes teilhaben, auch der Verlag gibt der Autorin Mitbestimmungsrecht z. B. bei der Gestaltung des Covers und dem Erscheinungstermin. Für Verlegerin Sabine Cramer und den Verlag ist „Was man von hier aus…“ ein Erfolgsprojekt. Es war „das richtige Buch zur richtigen Zeit“, sagt Cramer. Die Auflage liegt inzwischen bei 180.000 und Lizenzen für die Übersetzung sind weltweit verkauft und in einigen Ländern ist das Buch auch schon erschienen. Außerdem werde es eine Verfilmung geben, dazu durfte aber noch nicht mehr gesagt werden. Wir sind alle gespannt!!!

Abschließend erzählte Mariana Leky noch die Anekdote, wie sie zu DuMont gekommen war. Sie hat bei Hans-Josef Orteil kreatives Schreiben studiert. Dieser gab einen Text seiner Studentin an den damaligen DuMont-Verlager Jo Lendle weiter, der sofort begeistert eine Nachricht auf Lekys Anrufbeantworter hinterließ (sie hat die Nachricht heute noch). Als Orteil kurze Zeit danach in einem Artikel im Spiegel schrieb, dass eine seiner Studentinnen gleich zwei Verträge bei Verlagen in Aussicht habe – was nicht stimmte – machte Lendle sofort Nagel mit Köpfen und holte Leky zu DuMont.

Über Bücher und Buchhandlungen – Autorin und Buchhändlerin Petra Hartlieb im Gespräch

Petra Hartlieb hat 2004 gemeinsam mit ihrem Mann eine Buchhandlung in Wien eröffnet. Beide waren keine Buchhändler, aber mit Leidenschaft bei der Sache. In ihrer 60 qm kleinen Buchhandlung bieten sie ein allgemeines Sortiment an und aufgrund des geringen Platzangebotes ist jede Lücke im Laden ausgefüllt mit Büchern, vom Boden bis zur Decke. Gefragt nach ihren Auswahlkriterien antwortet Hartlieb: „schwierig“. Allerweltstitel und Unterhaltung hat sie zurückgefahren. Sie setzt eher auf Titel, die sich entwickeln könnten und außerdem pflegt sie eine große Taschenbuchbacklist.

Sie sagt, wenn es einem unangenhem sei, dass ein Buch nicht da ist wenn jemand danach fragt, wird es nachbestellt, auch wenn nur drei Exemplare davon im Jahr fvrkauft werden. Wenn sie und ihre Buchhändler ein Buch toll finden, haben sie etwas missionarisches, dann wollen sie es weitergeben. Danach gefragt, ob sie sich Sorgen wegen schwindener Leserzahlen macht, sagt sie, dass die Branche lebt und sich gerade sehr verändert. Das Sprechen über Bücher habe sich durch Blogs und das Netz insgesamt sehr verändert. Sorgen mache sie sich aber nicht.

Größere Bekanntheit erlangte Hartlieb durch ihr Buch „Meine wundervolle Buchhandlung“ in dem sie ihren Alltag als Buchhändlerin beschreibt.

Über Lesen, Leidenschaften und Bloggen – Buchhändler und Instagrammer Florian Valerius (Literarischernerd) erzählt von Büchern, Murakami und Instagram

Der Sonderpreis des diesjährigen Buchblogawards ging an einen Instagrammer: Florian Valerius aka Literarischernerd. Vor 13 Jahren hat er mit seiner Ausbildung als Buchhändler begonnen und dort im Wareneingang beim Auspacken seine erste literarische Entdeckung gemacht: “Der Wilde Schafsmann” von Haruki Murakami.

Über den Wunsch seine Begeisterung für Bücher weiterzugeben, ist er 2016 auf Instagram gekommen und hat seinen Account “Literarischernerd” eröffnet. Er hatte und hat kein Konzept, keine Ziele, keine Erwartungen, Hauptsache das Ganze macht Spaß. Durch learning by doing und Ausprobieren entwickelte sich sein Account, den er nach wie vor ohne Redaktionsplan betreibt und auch seine Texte schreibt er nicht vor, sie entstehen spontan.

Einige Tipps, die er gegeben hat:

  • Authentisch sein
  • Sich treu bleiben
  • Aktiv sein, anderen folgen
  • Aktionen mitmachen und selbst anbieten
  • Mit Leuten in Kontakt treten
  • Wichtig: Gesicht zeigen, man muss den Menschen kennenlernen
  • Eigene Handschrift haben

Sein Account hat einen riesigen Erfolg und findet viel Beachtung in der Kulturszene. Inzwischen ist Florian gefragter Interviewpartner und wichtiger Part der deutschen Buchszene. Das führte ihn auch kürzlich auf Pressereisen nach Georgien (Partnerland der Frankfurter Buchmesse 18) und Norwegen (Partnerland der Frankfurter Buchmesse 19). Über sein Leben sagt er, dass es inzwischen instagramgekaktet sei und durch Instagram noch buchiger geworden sei.

“Buchhändler und Bookstagrammer sind wie Trüffelschweine. Sie suchen die Perlen aus den teilweise riesigen Verlagsprogrammen.”

Von der Aufnahme zum Hörbuch – Sprecherin Sabina Godec und Projektmanagerin Anika Rust erzählen im Tonstudio von ihrer Arbeit

Für die Hörbuchsession ging es in den Keller, hier sind die Produktionsstudios. Projektmanagerin und Hörbuchregisseurin Anika Rust stellte uns ihre Arbeit vor. Bei Bastei Lübbe Audio werden ca 80 Hörbücher pro Halbjahr produziert. In den vier Aufnahmekabinen im Verlagshaus in Köln werden Lesungen produziert, Hörspiele mit verteilten Rollen werden idR in anderen Studios produziert. Die Hörbücher entstehen auf Basis eigener Titel aus dem Verlag, die bestenfalls parallel zum gedruckten Buch erscheinen sollen. In Einzelfällen, wie bei der “Cherringham” Krimiserie, werden auch Ebooks als Hörbücher umgesetzt.

Von der zeitlichen Kapazität her können zwei CDs pro Tag produziert werden wobei für Schnitt und Aufbereitung etwa das 1,5 fache der Länge der Aufnahme in Anspruch nehmen. Danach folgt das Kontrollhören bei dem das Hörbuch Fehler und Dopplungen überprüft wird. Für die Aufnahme müssen die Skripte gut lesbar aufbereitet sein, die Zeilenabstände müssen groß sein und am Ende eines Blattes muss jeweils ein Satzende sein, damit es keine “falschen” pausen und Umblättergeräusche im Satz gibt. Um Nebengeräusche zu minimieren, müssen die Sprecher Kleidung tragen, die nicht raschelt und ihren Schmuck ablegen.

Wenn Textvorlagen für das Hörbuch gekürzt werden müssen, bleibt immer der Haupthandlungsstrang erhalten, ausführliche Beschreibungen und Nebenfiguren können wegfallen. Bevor ein Text gekürzt wird, wird er bis zu sechs mal gelesen, um kürzbare Passagen zu bestimmen.

Gemütlich wie ein Wohnzimmer – Die Sprecherkabine

Im Anschluss hat uns Sprecherin Sabina Godec eine Kostprobe ihrer Arbeit gegeben und einen kurzen Text aus einem Cherringham-Krimi eingesprochen. “Ich finde die Mordszenen von dir immer so toll” sagt die Regisseurin zur Sprecherin. Und es stimmt, der vielschichtigen Stimme von Sabina Godec kann man wunderbar zuhören – nicht nur bei Mordszenen.

Bücherpodcast für Anfänger – Alexandra Adamek (Lübbe Audio) und Lektorin Lisa Engels (Baumhaus, Boje, One) geben Tipps für die Umsetzung und Gestaltung eines Bücherpodcasts.

Podcasts sind, nach einer ersten großen Welle vor gut acht Jahren, im Moment DER Trend. Sie sind dasaufstrebende Medium der Zeit, viele Firmen und auch viele klassische Medien setzen auf Podcasts. Kein Wunder also, dass die Session zu Podcasts super gefragt war. Die Zuhörer standen bis auf den Flur. In der Session ging es um die Grundlagen des podcastens. Was ist das überhaupt? Welche Podcasts gibt es? Wer sind die Macher? In einem kurzen Rundumschlag erfuhren wir, welche Technik man braucht, welche Formate sich anbieten, wie man ein Konzept erstellt, wie man eine Episode aufbaut und ein paar Tipps, wie man Fehler vermeidet, gab es auch dazu. Es war eine hochinformative und inspirierende Session nach der sich bestimmt der Eine oder die Andere gedacht hat: „Das probiere ich aus!“

 

Die Litblogcon 2018 war großartig! Herzlichen Dank an die Veranstalter und die Sponsoren!!

Der Inhalt der Goodiebag

 

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