Québec – Kanadas französischer Osten

Von Montreal durch die Gaspesie nach Québec City – das waren die drei Etappen meiner ersten Kanadareise. Über alle drei Etappen werde ich ausführlich berichten, vorab gibt es aber erst einmal ein paar allgemeine Infos zu Reisen in diese Region.

Kanada als Reiseziel kam mir erstmals im Herbst 2016 in den Sinn – einmal den Trans-Canada Highway befahren, 7821 Kilometer von Westen nach Osten, das wäre (und ist noch) ein Traum. Ein kleines Stück davon, knapp 500 Kilometer von Saint Leonard nach Québec City, also von Osten nach Westen, durfte ich inzwischen tatsächlich schon befahren. Relativ spontan, mit einem Vorlauf von knapp acht Wochen, ging es für mich im Sommerurlaub in die kanadische Provinz Québec. Die Städte Montréal und Québec City sowie der Saguenay-Fjord und die Halbinsel Gaspesie standen auf dem Programm.

Blick auf Montreal

Erste Station: Montréal

Rocher Peré

Rocher Percé – östlichster Punkt unserer Rundreise

Zu Beginn etwas Statistik (alle Zahlen: Wikipedia):
Québec ist die flächenmäßig größte Provinz Kanadas, gut 8 Millionen Menschen leben hier. Ca. die Hälfte davon lebt in der Region um Montreal, der größten Stadt der Provinz. Eine halbe Million lebt in der Provinzhauptstadt Québec. Auf den Quadratkilometer umgerechnet leben in der Provinz Québec nicht ganz sechs Einwohner, im Vergleich dazu leben in Deutschland 230 Einwohner pro Quadratkilometer und dieses Verhältnis ist direkt auffällig: das Land ist groß, weit und, sobald man die Metropolenregion Montréal verlassen hat, (fast) menschenleer.

Straße ohne Autos

Weites, leeres Land

Selbst in der absoluten Hauptreisezeit im Juli sind die Straßen angenehm frei und selbst touristische Hotspots sind selten überlaufen. Sprachlich kommt man in Montréal gut mit englisch zurecht, je weiter man in Richtung Québec City kommt oder gar in ländliche Regionen, sind Kenntnisse des Französischen sehr von Vorteil. In Montréal sind 53, 6% französische Muttersprachler, in Québec City sind es über 90%. Der Zeitunterschied beträgt zwischen Deutschland und Québec -6 Stunden.

Ostkanada Travel Hacks:

Anreise und Mietwagen:
Ab Deutschland wird Montréal von Frankfurt und München direkt angeflogen, die meist angebotene Verbindung von anderen deutschen Flughäfen hat einen Zwischenstopp in London. Von Paris und Brüssel kann man direkt und günstig mit Air TransAt nach Montréal reisen, bei Service und Pünktlichkeit muss man hier allerdings Abstriche machen, wie ich von zwei Personen aus meinem Umfeld gehört habe, die aktuell unabhängig voneinander von Paris nach Montréal geflogen sind.

Ich selbst bin mit British Airways von Düsseldorf über London Heathrow geflogen und war sehr zufrieden. Wer einen Flug mit Umstieg in z. B. London Heathrow oder Paris Charles de Gaulle bucht, sollte für den Umstieg mindestens 90 Minuten kalkulieren. Die Websites der Flughäfen bieten umfassende Infos dazu, für den Flughafen Heathrow kann man sich sogar einen individuellen Verbindungsplaner abrufen.

Heathrow Airport Terminal 5

Wimmelbild Flughafen – Heathrow Airport Terminal 5

Ich empfehle übrigens, immer direkt auf der Website der Fluggesellschaft zu buchen. Unterm Strich ist das in der Regel die günstigste und verbindlichste Variante.

Für Vorabinfos wie: Was kommt preislich in etwa auf mich zu? Von welchem Flughafen gibt es welche Verbindungen? Komme ich günstiger weg, wenn ich die Reisedaten um +/- 1 – 2 Tage variiere? Welche Fluggesellschaften bedienen die Route? etc. nutze ich gerne Skyscanner.

Am Flughafen Montréal gibt es einen Shuttlebus (747), der ca alle 10 bis 15 Minuten in einer rasanten Himmelfahrt in die Innenstadt fährt (Dauer 30 – 45 Minuten je nach Verkehr). Die Einzelfahrt kostet 10$ CAN, es empfiehlt sich aber, direkt ein ÖPNV-Mehrtagesticket zu kaufen. Das gilt für alle Busse und die Metro in Montréal und auch für den Shuttlebus zwischen Flughafen und Stadtzentrum. Das Bus- und Metronetz ist sehr gut, sodass ich empfehle, einen Mietwagen erst zum Tag der Weiterreise ins Land zu buchen.

Wenn vor Abreise schon bekannt ist ob, wann und wo ein Mietwagen genutzt wird, ist es ratsam, den schon von Deutschland aus zu buchen. Bei spontanen Buchungen vor Ort, gerade an kleineren Citystationen, muss man damit rechnen, dass das gewünschte Modell und/oder die gewünschte Ausstattung gerade nicht verfügbar ist und auch das Kleingedruckte in Sachen Versicherungen finde ich manchmal etwas undurchsichtig. Als Mitglied habe ich für Kanada über den ADAC gebucht, der Anbieter vor Ort war Alamo. Daumen hoch für beide, hat alles reibungslos geklappt.

Mietwagen

„Hey New Jersey, welcome!“ – unser in den USA zugelassene Mietwagen war ein echtes Kontaktmobil

Unterkunft und Bewegung vor Ort
Trotz der angenehmen Leere empfiehlt es sich in der Hauptsaison, Unterkünfte vorab zu buchen. Die Hotel-, Motel-, Camping- und Zeltkapazitäten sind nicht besonders hoch und es kann ein mühsames und stressiges Unterfangen werden, wenn man abends noch nach einer Übernachtungsmöglichkeit suchen muss. Wir haben alle Übernachtungen bei den Unterkünften direkt gebucht. Gefunden haben wir sie durch eine Mischung aus Empfehlungen in Reiseführern, Tipps von Bekannten und Zufallsentdeckungen auf Google Maps.

Wer 1 – 2 Übernachtungen auf der Durchreise sucht und ohne fünf Sterne Ausstattung, die es auf dem Land sowieso nicht gibt, auskommen kann, braucht übrigens einfache Motels direkt an Durchgangsstraßen nicht zu fürchten. Die haben idR. solide Standardqualität und die Durchgangsstraßen sind aufgrund der wenigen Menschen und der Weite des Landes (ich weiß, das hatten wir schon…) nachts noch weniger befahren als am Tag.

Eine Reservierungsempfehlung gilt auch für Fähren über den St. Lorenz Strom. Die letzte Brücke ist in Québec City, wer weiter östlich zwischen Nord- und Südufer wechseln möchte, ist auf die Fähre angewiesen. Die relativ kleinen Fähren nehmen nicht besonders viele Fahrzeuge auf, ca. 50 PKW, und fahren selten. Da der Strom schnell sehr breit wird, dauert eine Überfahrt ca. 200 KM östlich von Quebec schon 90 Minuten pro Weg. Gezahlt haben wir für die Überfahrt von Les Escoumins nach Trois Pistoles für einen PKW und zwei Personen 90.00$ CAN. Das ist ein stolzer Preis, aber es gibt eben einerseits keine Alternativen und die Überfahrt war auch ein Erlebnis, kostenloses Whale Watching inklusive.

St Lorenz Strom

St Lorenz Strom

In den Städten kommt man am besten mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder zu Fuß weiter. Das gute Verkehrsnetz in Montréal habe ich oben schon erwähnt und Quebec City ist so klein, dass man sich alle Sehenswürdigkeiten erlaufen kann. In Montréal ist neben dem ÖPNV auch das Fahrrad eine gute Option. Für kurze Strecken (bis zu 45 Minuten kosten aktuell 4.70$ CAN, gezahlt wird per Kreditkarte) findet man an jeder zweiten Straßenecke Stationen des Fahrradverleihers Bixi. Insgesamt gibt es 6200 Räder an 540 Stationen im Stadtgebiet. Wenn man längere Touren machen möchte, lohnt sich die Recherche nach einem unabhängigen Verleiher, da die Bixi-Räder bei längerer Nutzung schnell sehr teuer werden. Wir haben die Räder für unseren Ausflug bei Ca Roule Montreal ausgeliehen (Festpreis für einen halben Tag, ab 14 Uhr, in der Woche 22$ CAN).

Ein Erlebnis kann auch eine Reise bzw. eine Etappe mit dem Zug sein. Zugreisen sind in Kanada Zeitreisen. In gemütlicher Geschwindigkeit geht es in bequemen und in die Jahre gekommenen Waggons durch beeindruckende Landschaften. Auch hier sollten Tickets vorab gebucht werden, denn je näher der Reisetermin rückt und je knapper die Ticketkontingente werden, desto teurer werden die Karten. Generell sind Zugreisen in Kanada vergleichsweise teuer. Für die Strecke Québec City – Montréal haben wir 93$ CAN bezahlt (ca. 270 KM, Reisezeit 3Std. 15 Min, Tickets 3 Wochen vor Reiseantritt gebucht). Außerdem sollte man frühzeitig vor Abfahrt am Bahnhof sein da größere Gepäckstücke, wie bei Flugreisen, vorher aufgegeben werden müssen.

Zug

Ankunft im Gare Centrale Montréal

Koffer muss man aufgeben

Gepäck muss man aufgeben – in Kanada auch in Zügen

Gut zu wissen

  • In Kanada werden, wie in den USA auch, alle Preise OHNE Mehrwertsteuer angegeben.
  • Beim Trinkgeld sollte man großzügiger sein als bei uns gewohnt. Mindestens 10 – 15% sollten es auf jeden Fall sein.
  • Für die Einreise nach Kanada benötigen EU-Bürger einen gültigen Reisepass und die elektronische Reisegenehmigung eTA

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2 Gedanken zu “Québec – Kanadas französischer Osten

  1. Pingback: Natur pur – Am St. Lorenz Strom und die Halbinsel La Gaspésie | Lesen und Meer

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