Die Blogst18 – Rückblick

Wer sich in der Bloggerszene in Deutschland bewegt, der stolpert zwangsläufig irgendwann über die Blogst. Ich war in diesem Jahr erstmals dabei, hier mein Rückblick:

Die Initiatorinnen der Blogst sind die Bloggerinnen Ricarda Nieswandt (23qm Stil) und Clara Moring (Tastesheriff). Die Idee zu einer Konferenz entstand vor über sechs Jahren, damals gab es noch so gut wie nichts in Sachen Netzwerke für (Lifestyle)Blogger(innen). 2012 fand die erste Blogst statt und inzwischen ist um die Konferenz ein ein ganzes Universum aus Barcamps, Workshops und Events gewachsen. Die Veranstaltungen finden an unterschiedlichen Orten in ganz Deutschland statt und das immer weiter wachsende Netzwerk rund um die Blogst kann sich sehen lassen.

Voraussetzung zur Teilnahme an der Blogst ist, was ja total logisch und sinnvoll ist, ein eigenes Blog. Viele der Blogs der Teilnehmer drehen sich thematisch um Lifestyle, DIY, Interior, Food, Familie/Kinder und Reisen, klassische Frauenthemen, entsprechend ist das Publikum überwiegend weiblich. Und ich hatte den Eindruck, dass viele der Teilnehmerinnen ihre Blogs mindestens als Nebenjob betreiben, wenn sie nicht sogar Vollzeitbloggerinnen sind.

Obwohl ich seit vielen Jahren auf Veranstaltungen rund um digitale Themen gehe, hatte ich auf der Blogst so etwas wie Neulandgefühl. Das lag zum einen sicher daran, dass ich mir mit meinem kleinen Sammelsurium-Hobbyblog erst mal wirklich ziemlich klein vorkam und auch daran, dass Lifestyle, Food, DIY etc eben nicht meine Themen sind. Im Vorfeld hatte ich länger überlegt, ob ich mich überhaupt anmelden soll, war aber, da ich schon einige begeisterte Berichte von früheren Blogst-Veranstaltungen gehört und gelesen habe, doch neugierig.

Ich wurde auch tatsächlich schon zu Beginn gleich mehrmals gefragt, ob ich auch was mit Einrichtung bzw Deko mache und kam mir am Anfang etwas komisch vor wenn ich antwortete, ich mache in erster Linie was mit Büchern. Das „Fremdeln“ hielt aber nicht lange an, denn Netzmenschen sind eben Netzmenschen, egal mit welchen Themen sie sich befassen. Es gibt immer viel Interesse und Offenheit und besonders am zweiten Tag habe ich spannende Gespräche geführt. Das offizielle Programm konnte sich neben der tollen informellen Atmosphäre und den im Ablauf fest eingeplanten Pausen zum Kontakteln und Netzwerken auch sehen lassen.

Meine Highlights am Samstag

Samstag, erster Blogst-Tag, da hieß es erst mal ankommen und orientieren, nach bekannten Gesichtern Ausschau halten und natürlich erstmal Kaffee. Und dann ging es los mit dem Programm. Neben der sehr informativen und perfekt zum Konferenzmotto #vernetztwachsen passenden Keynote von Johanna Fritz zum Thema “Durch (D)ein Netzwerk zum Erfolg” haben mir zwei Sessions besonders gut gefallen:

Vlogging

In ihrer Session „Vlogging“ hält Kirsten Jassies ein flammendes Plädoyer für das Bewegtbild. Video ist nah am Leben und viel persönlicher und authentischer als das geschriebene Wort außerdem wird mit Bewegtbild oft stärker interagiert, als mit Text und Foto. Youtube ist für sie immer noch wichtig, die Plattform der Stunde ist aber auf jeden Fall Instagram und hier besonders die Stories. Und man sollte es simpel halten, Stories sollten eine einzelne, klare Aussage haben und einen Hashtag. Außerdem sollten sie spielerisch sein, Experimentierfreude ist gefragt! Ein Satz in ihrer Session hat mir besonders gut gefallen: “ Scrolling is dead!“.

Digitales Erbe

Sehr spannend, wichtig und trotz des ernsten Themas sehr kurzweilig fand ich den Vortrag von Nina Straßner (Juramama) unter dem Titel “Bis dass der Tod uns scheidet – Wie wir digital rechtskonform ins Gras beißen”. Sie hat zuerst kurz den Unterschied zwischen Erbe und Nachlass erklärt und einige allgemeine Tipps, die es aus rechtlicher Sicht im Erbfall zu beachten gibt, aufgezeigt und ist dann ausführlich auf die Besonderheiten des digitalen Erbes eingegangen: Wie vererbt man Blogs, Websites, ein Onlinebusiness und deren Domanis? Was passiert mit Accounts auf sozialen Plattformen nach dem Tod? Welche Vollmachten braucht Derjenige, der sich um den Nachlass kümmert? Wie sollte man sich selbst noch zu Lebzeiten um seinen digitalen Nachlass kümmern?

Nina hat empfohlen, eine Auflistung über die gesamte Präsenz und Aktivität im Netz zu machen. Diese sollte enthalten: Accounts auf sozialen Plattformen und bei Providern, Domains, Blogs, Websites, Onlineshops, Abos bei netflix, Amazon, iTunes etc, Banking, PayPal, incl. Passwörtern und zu bestimmen, wer sich im Todesfall darum kümmern soll. Der- oder Diejenige muss natürlich im Vorfeld Bescheid wissen, dass sie das machen soll und auch wo die Liste zu finden ist. Möglicherweise braucht diese Person auch eine Vollmacht dazu. Ich werde auf jeden Fall direkt damit anfangen und habe mir schon das kleine schwarze Notizbuch aus der Goodiebag auf den Schreibtisch gelegt.

Meine Highlights am Sonntag

Für den Sonntag Highlights zu benennen, finde ich sehr schwierig. Der ganze Tag war eigentlich in Highlight. Trotzdem möchte ich drei Sessions etwas herausheben. Neben den dreien haben wir noch eine spannende Präsentation des neuen Gutenberg-Editors bei WordPress von Philipp Roth und einen Crashkurs in erfolgreicher Selbstpräsentation von Bianca Grünert bekommen.

Vom Blog zum Business

Mit einer Session von Hannah Frey (Projekt Gesund leben) sind wir in den Sonntag gestartet. Sie hat ausgiebig von ihrem eigenen Werdegang und von den unterschiedlichen Projekten und Büchern, die sie herausgebracht hat, erzählt. Besonders spannend in ihrem Vortrag fand ich die Übersicht über die verschiedenen Möglichkeiten des Geldverdienens für Blogger, von denen ich einige noch nicht auf dem Schirm hatte, z. B. die Anmeldung bei der VG Wort. Sie hat auch darauf hingewiesen, dass Facebook noch nicht ganz tot ist und ausgiebig über die Vorteile von geschlossenen Facebook Gruppen und über hohe Interaktionsrate, die sie damit erzielt, berichtet.

Visual Storytelling

Die Fotografin Jules Villbrandt (Herz & Blut) hat in ihrer Session zu Visual Storytelling darüber gesprochen, wie man seinen eigenen Stil findet, welche möglichen Inspirationsquellen es gibt und ein paar “Verhaltenstipps” gegeben und damit vielen aus dem Herzen gesprochen. “Macht das, worauf ihr Bock habt”, “Behaltet den Spaß”, “mal raus aus der Gemütlichkeit”, sie hat damit den Nerv der Zuhörer getroffen und uns alle sehr motiviert. Um einen eigenen Stil zu entwickeln, sollte man mit dem arbeiten, was man hat und sich selbst treu bleiben. “Heritage” – die eigene Herkunft ist dabei sehr wichtig. Wenn man sich darauf besinnt, wo man herkommt, hinterfragt was einen geprägt hat und in Erinnerungen gräbt, kommen viele Ideen für persönliche Geschichten und das ist wichtig, die eigene Geschichte erzählen und nicht die eines anderen. Als Inspirationsquellen hat sie u. a. Bildbände, Museen, Archive und Reisen genannt und empfohlen, Moodboards auf Pinterest zu erstellen.

Kooperationen – gute Beispiele

Zum Thema “Best Cases – Kooperationen” gab es eine Diskussionsrunde zwischen Unternehmen (Jana Nörenberg von Tchibo), Agentur (Daniel Rehn von Achtung) und drei Bloggerinnen (Sabine Güllich von Waseigenes, Virginia Horstmann von Zuckerzimtundliebe und Julia Nissen von Deichdeern). Alle haben zunächst aus ihrer jeweiligen Perspektive über Zusammenarbeit / Kooperationen berichtet und dabei teilweise sehr lustige Geschichten über ihre Erfahrungen erzählt und danach zusammengefasst, was sowohl für Auftraggeber als auch für Blogger empfehlenswert ist. Drei der Punkte waren:

  • Gespräch mit Auftraggeber suchen (auch per Sprachnachricht oder telefonisch)
  • Liste machen mit allem, was einem selbst für eine Kooperation wichtig ist und wie man sich die Zusammenarbeit vorstellt
  • Dem Auftraggeber Feedback darüber geben, wie die Community reagiert, dazu Kommentare screenshoten

Fazit

Ich habe an diesem Wochenende eine Sparte der digitalen Welt, Bloggerinnen, die auf hohem (professionellen) Niveau Lifestylethemen abbilden, besser kennengelernt und fand den Blick über meinen Tellerrand sehr bereichernd. Aus den Vorträgen habe ich viel mitgenommen und einige spannende Gespräche geführt. Organisation, Location und Verpflegung waren super!

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